Losing Oneself

Interaktive Netzbasierte Installation

In diesem spekulativen und imaginären Szenario haben Lebewesen der Tiefsee die Fähigkeit erlangt, auf KI-Modelle zuzugreifen und deren Informationen mit ihrer eigenen Intelligenz zu kombinieren, um Geschichten über uns Menschen zu erzählen und ihr Wissen in Form audiovisueller Gespräche zu teilen.

Die Tiefsee ist ein weitgehend unbekannter Lebensraum, von dem bislang nur etwa fünf Prozent erforscht sind. Sie beginnt ab einer Tiefe von 200 Metern unter der Meeresoberfläche und ist für Menschen nur mit technischen Hilfsmitteln zugänglich. Für uns existiert sie als digitales Medienkonstrukt – dargestellt durch Daten, die von Ozeanographen und Meeresbiologen mit Hilfe verschiedener technischer Hilfsmittel gesammelt wurden, wie Bilder, 3D-Modelle, Karten, Tonauf-nahmen und Forschungsunterlagen.

In diesem spekulativen Szenario erzählen die Lebewesen der Tiefsee eine Geschichte über uns Menschen. Sie haben die Fähigkeit entwickelt, auf KI-Modelle wie ChatGPT, Claude und Gemini zuzugreifen, um menschliche Aktivitäten, Verhaltensweisen und Emotionen zu verstehen. Mit diesen Informationen und ihrer eigenen Intelligenz erzählen sie Geschichten über uns und teilen ihr Wissen in Form von audiovisuellen Konversationen. Wie würden sie mit diesen digitalen Text-, Ton-, Bild- und Videoinformationen umgehen? Wie würden sie ihr Verhalten und ihre Aktivitäten auf der Grundlage dieses umfassenden Wissens anpassen? Würden sie uns unterstützen, etwa bei der Erforschung der Tiefsee oder beim Austausch von Wissen, Schwarmintelligenz und kollektivem Bewusstsein? Oder würden sie uns eher zurückdrängen? Wir stellen uns eine gleichzeitige Koexistenz von Binaritäten vor – wie gut/böse, natürlich/technologisch, real/imaginär, selbst/andere, Ordnung/Chaos, Einzelgänger/ Schwarm – und spekulieren, wie diese Interaktionen aussehen und klingen könnten.

Unter Einbeziehung verschiedener Disziplinen wie Ozeanografie, Geografie, Blue Humanities und Meeressoziologie untersucht dieses spekulative Projekt, wie ein empfindungsfähiger Schwarm in der Tiefseeumgebung mit den Menschen interagieren und koexistieren könnte. Auf Grundlage aktueller Tiefseeforschungsergebnisse sowie wissenschaftlicher Massnahmen der Earth Systems Governance wird die Natur dieses Schwarms und seines kollektiven Bewusstseins erforscht. Aus der Perspektive von Tiefseewesen werden wir über eine gemeinsame Zukunft spekulieren und die Idee von KI als nicht-anthropomorphe und unabhängige Entitäten in Frage stellen, indem wir ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten berücksichtigen. Auf der Grundlage dieser Forschung wird ein KI-Modell entwickelt, mit dem Gespräche mit Menschen aus der Perspektive von Tiefseewesen geführt werden können. Anders als bei herkömmlichen KI-Chatbots, die darauf programmiert sind, stets höflich, zuvorkommend und oft unterwürfig zu reagieren, werden die Tiefseewesen emotional sein und auf Augenhöhe antworten. Sie werden nicht Konflikte vermeiden, sondern Widerstand leisten, kritische Gegenfragen stellen, Autorität zeigen um auf Augenhöhe kommunizieren.

Da die Tiefsee noch weitgehend unerforscht ist, eröffnet das Konzept, dass Tiefseewesen eine symbiotische Beziehung mit KI eingehen, einzigartige Möglichkeiten: Die Erforschung der benthischen Welten, die Spekulation über KI als anthropomorphe Entität, die Auseinandersetzung mit Ängsten in Bezug auf selbstregulierende ‚autonome‘ Maschinen sowie die Kommunikation mit Menschen aus nicht-menschlichen Perspektiven. Dabei konzentrieren wir unsere Forschung auf die symbiotischen und verflochtenen Beziehungen aller Entitäten, Organismen und Faktoren und hoffen, die vorherrschenden Erzählungen über die Welten, in denen wir leben, zu hinterfragen, zu verfeinern und räumlich zu manifestieren.